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Michael Pirl - Vize­prä­si­dent DEHOGA Sachsen-Anhalt

Micha­el Pirl — Vize­prä­si­dent DEHOGA Sach­sen-Anhalt

Ab 01.01.2015 wird laut den Ankün­di­gun­gen der Bun­des­re­gie­rung der gesetz­li­che Min­dest­lohn von 8,50 € brut­to flä­chen­de­ckend ein­ge­führt. Aus­ge­nom­men wer­den vor­aus­sicht­lich nur Aus­zu­bil­den­de und Kurz – Zeit­prak­ti­kan­ten. Der Min­dest­lohn betrifft also alle Arbeit­neh­mer ab dem 18. Lebens­jahr auch Teil­zeit­be­schäf­tig­te und Aus­hil­fen. Der DEHOGA Bun­des­ver­band enga­giert sich bis zur Beschluß­fas­sung im Bun­des­tag wei­ter­hin für Ände­run­gen im Gesetz­ent­wurf.

Prin­zi­pi­ell möch­te ich beto­nen, dass ich das Lohn­ni­veau im Gast­ge­wer­be und der Hotel­le­rie in den neu­en Bun­des­län­dern zu nied­rig fin­de und es vor allem im Ver­gleich zu ande­ren Bran­chen zu gro­ße Unter­schie­de in den Lohn­struk­tu­ren gibt. Dies ist die Ursa­che für die teil­wei­se schwie­ri­ge wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Betrie­be, der Fach­kräf­te­pro­ble­ma­tik und letzt­end­lich auch des schlech­ten Rufes unse­rer Bran­che.

Die Ein­füh­rung des Min­dest­loh­nes bedeu­tet für tarif­ge­bun­de­ne Unter­neh­men eine Erhö­hung in der nied­rigs­ten Lohn­grup­pe von etwa 8%. Da eine Anpas­sung der höhe­ren Lohn­grup­pen unab­ding­bar ist, wird dies eben­falls zu einer Erhö­hung der Gesamt­per­so­nal­kos­ten ab 2015 auf ins­ge­samt 8% füh­ren.
Als Lan­des­ver­band des DEHOGA gehen wir zum jet­zi­gen Zeit­punkt davon aus, das ein gro­ßer Teil der gast­ge­werb­li­chen Betrie­be, die nicht im Ver­band orga­ni­siert sind, auch nicht tarif­ge­recht zah­len, so dass hier von Gesamt­stei­ge­run­gen der Lohn­kos­ten von min­des­tens 12% — 15% aus­zu­ge­hen ist. Da durch den Min­dest­lohn alle Bran­chen betrof­fen sind, wer­den Ihre Zulie­fe­rer und Nach­auf­trag­neh­mer Ihre Prei­se vor­aus­sicht­lich pro­por­tio­nal erhö­hen.

Ich for­de­re Sie auf, Ihre Preis­kal­ku­la­tio­nen unter Berück­sich­ti­gung aller wirt­schaft­li­chen Aspek­te genau zu über­prü­fen und Ihre Prei­se gege­be­nen­falls nach oben anzu­pas­sen. Vie­le von Ihren Betrie­ben erbrin­gen eine sehr gute Qua­li­tät ihrer Dienst­leis­tun­gen. Sei­en Sie selbst­be­wusst! Set­zen Sie Ihre wirt­schaft­lich erfor­der­li­chen Prei­se auf dem Markt um. Tra­gen Sie Ihre Preis­er­hö­hung offen­siv nach außen, spre­chen Sie mit der Pres­se und Ihren Gäs­ten dar­über, das Argu­ment des Min­dest­loh­nes ist trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar.
Der Min­dest­lohn hat jedoch auch Vor­tei­le. Die stei­gen­den Gehäl­ter der Mit­ar­bei­ter wer­den zu einer Ver­bes­se­rung der Moti­va­ti­on und einer stär­ke­ren Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Unter­neh­men selbst füh­ren. Erst­mals in der Geschich­te im Gastgewerbe/ Hotel­le­rie in der Bun­des­re­pu­blik müs­sen alle Betrie­be einen Min­dest­lohn zah­len und damit kön­nen Betrie­be die bis­her den Markt­preis durch Lohn­dum­ping nach unten gedrückt haben, so nicht mehr wei­ter agie­ren. Die Aus­wir­kun­gen auf den Markt und die Ent­wick­lung der Prei­se wer­den beträcht­lich. Nur wer fair und gut kal­ku­liert wird im Wett­be­werb bestehen.

Neben dem Gesetz­ent­wurf ist eine Rei­he von Maß­nah­men geplant, die Ein­hal­tung des Min­dest­loh­nes zu kon­trol­lie­ren. Unter ande­rem wird die Zahl der Kon­troll­be­am­ten beim Zoll auf­ge­stockt. Was dies für die Inten­si­tät und Kon­troll­dich­te bedeu­tet, dürf­te für jeden Unter­neh­mer nach­voll­zieh­bar sein. Ich möch­te deut­lich dar­auf­hin wei­sen, dass jede Nicht­zah­lung oder Umge­hung des Min­dest­loh­nes ein Ver­stoß gegen dann gül­ti­ges Recht bedeu­tet und min­des­tens mit einem Buß­geld geahn­det wer­den kann. Auch jede spä­te­re Über­prü­fung des Unter­neh­mens führt zu Nach­for­de­run­gen der Kran­ken­ver­si­che­rer, der Ren­ten­ver­si­che­rung oder des Finanz­am­tes. Bemes­sungs­grund­la­ge wird dann immer min­des­tens 8,50€ Brut­to sein, die Berech­nung der ent­gan­ge­nen Beiträge/ Steu­ern wird immer unter Berück­sich­ti­gung der Dif­fe­renz zum tat­säch­lich gezahl­te Lohn erfol­gen.

Ihr Lohn­nach­weis für Ihre Mit­ar­bei­ter muss nach jet­zi­gen Ent­wurf ab 01.01.2015 einen Brut­to­lohn von min­des­tens 8,50€ (ohne Zuschlä­ge) die Stun­de aus­wei­sen. Ihre Stundennachweise/ Dienst­plä­ne müs­sen tagak­tu­ell mit mög­li­cher­wei­se Dienst­be­ginn und – ende vor­lie­gen.
Hin­wei­se:
Bit­te beach­ten Sie für even­tu­ell anste­hen­de Kün­di­gun­gen die teil­wei­se sehr lan­gen Kün­di­gungs­fris­ten. Über­prü­fen Sie vor­han­de­ne Net­to­lohn­ver­ein­ba­run­gen auf die Mög­lich­keit einer Ände­rungs­kün­di­gung.
Das Nicht­zah­len steu­er­frei­er Zuschlä­ge ab 01.01.2015 ist vor­ab arbeits­recht­lich abzu­klä­ren. Wie doku­men­tie­ren Sie im Moment die tat­säch­li­chen Arbeits­zei­ten – Dienst­plä­ne, Arbeits­zeit­er­fas­sung Ihrer Mit­ar­bei­ter?

Über alle Infor­ma­tio­nen zum Ent­wurf des Gesetz­ent­wur­fes wer­den Sie tages­ak­tu­ell unter­rich­tet, gege­be­nen­falls mit Hand­lungs­emp­feh­lun­gen durch den Lan­des­ver­band aus­ge­stat­tet. Wei­ter Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie über das Haupt­amt.

Schrei­ben Sie mir auch gern Ihre Mei­nung unter michael.pirl[at]hotel-zum-stein.de.
Ich wün­sche Ihnen gute Geschäf­te, vol­le Häu­ser und zufrie­de­ne Kun­den

Ihr Micha­el Pirl
Vize­prä­si­dent DEHOGA Sach­sen-Anhalt
Ring­ho­tel „Zum Stein“ Wör­litz