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DEHO­GA-Bran­chen­be­richt: Gedämpf­ter Opti­mis­mus in Gas­tro­no­mie und Hotel­le­rie //„Stimmungskiller“ Büro­kra­tis­mus

Geschäfts­la­ge und Aus­blick über­wie­gend posi­tiv // Ertrags­la­ge ange­spannt // Arbeits­zeit­do­ku­men­ta­ti­on ist „Stim­mungs­kil­ler Num­mer Eins“ // DEHOGA kri­ti­siert star­res Arbeits­zeit­ge­setz
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(Ber­lin, 11. Juni 2015) Die Betrie­be des Gast­ge­wer­bes bewer­ten ihre Lage mehr­heit­lich posi­tiv. Das ist das Ergeb­nis des „Bran­chen­be­rich­tes Früh­jahr 2015“, den der Deut­sche Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band (DEHOGA Bun­des­ver­band) auf sei­ner heu­ti­gen Jah­res­pres­se­kon­fe­renz vor­ge­stellt hat. Die meis­ten Unter­neh­mer schau­en opti­mis­tisch auf die kom­men­den Mona­te. Der DEHOGA Bun­des­ver­band pro­gnos­ti­ziert für das Gesamt­jahr ein Umsatz­plus von nomi­nal 2,5 Pro­zent. „Der Bran­chen­be­richt zeigt jedoch ein Dilem­ma auf“, so DEHO­GA-Prä­si­dent Ernst Fischer. „Zwei Drit­tel unse­rer Betrie­be sind zwar Umsatz­ge­win­ner. Doch fast die Hälf­te von ihnen ver­zeich­net sin­ken­de Gewin­ne. Es bleibt weni­ger übrig, um zu inves­tie­ren, um anzu­stel­len und um zu wach­sen.“ Grund für die Zurück­hal­tung sind vor allem die Neben­wir­kun­gen des Min­dest­loh­nes: So kri­ti­siert fast jeder zwei­te Betrieb die neue Pflicht zur Arbeits­zeit­do­ku­men­ta­ti­on. Ins­be­son­de­re sor­gen star­re Vor­ga­ben des Arbeits­zeit­ge­set­zes sowie die All­er­gen­kenn­zeich­nungs­pflicht für Unmut.

Geschäfts­la­ge, Umsatz und Pro­gno­se

Die Hotel­le­rie bewer­tet ihre Geschäfts­la­ge auf Vor­jah­res­ni­veau: 35,6 Pro­zent der Befrag­ten (Vor­jahr 36 Pro­zent) berich­ten von einer guten, 44,7 Pro­zent (Vor­jahr 42,6 Pro­zent) von einer befrie­di­gen­den Geschäfts­la­ge. 66,2 Pro­zent der Betrie­be (Vor­jahr 64,4 Pro­zent) konn­ten ihren Umsatz erhö­hen bzw. sta­bil hal­ten.

Neben der guten Kon­junk­tur führt das attrak­ti­ve Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis in der deut­schen Hotel­le­rie zu einer Zunah­me der Über­nach­tun­gen in- und aus­län­di­scher Gäs­te. Auch der Geschäfts­rei­se­ver­kehr nimmt wei­ter zu. Ins­ge­samt bleibt die Ertrags­la­ge aber ange­spannt: Bei 45,3 Pro­zent der Unter­neh­men (Vor­jahr 45,6 Pro­zent) sind die Erträ­ge gesun­ken. Der Hotel­markt ist wei­ter­hin von einem star­ken Ver­drän­gungs­wett­be­werb geprägt.

Die Gas­tro­no­mie blickt laut DEHO­GA-Bran­chen­be­richt etwas kri­ti­scher auf die Geschäfts­la­ge als vor einem Jahr: 29,9 Pro­zent der Befrag­ten (Vor­jahr 35,7 Pro­zent) berich­ten von einer guten, 48,7 Pro­zent (Vor­jahr 44,9 Pro­zent) von einer befrie­di­gen­den Geschäfts­la­ge. Wich­tigs­ter Impuls­ge­ber ist wei­ter­hin die Kon­sum­freu­de der Deut­schen. 64,8 Pro­zent der Unter­neh­men (Vor­jahr 66,4 Pro­zent) konn­ten ihre Umsät­ze sta­bil hal­ten oder aus­bau­en. Die Erträ­ge sind bei 47,4 Pro­zent (Vor­jahr 43,7 Pro­zent) der Befrag­ten gesun­ken.

In ihrem Aus­blick geben sich Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie mehr­heit­lich opti­mis­tisch. Auch hier hat die Stim­mung im Vor­jah­res­ver­gleich aller­dings leicht nach­ge­las­sen: 82,9 Pro­zent der Hote­liers (Vor­jahr 84,3 Pro­zent) und 77,8 Pro­zent der Gas­tro­no­men (Vor­jahr 80,1 Pro­zent) erwar­ten gleich­blei­ben­de oder bes­se­re Geschäf­te.

Job­mo­tor Gast­ge­wer­be bleibt stark // „Bran­che der Chan­ce“

Beson­ders stark ist wei­ter­hin die Rol­le des Job­mo­tors: In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren sind im Gast­ge­wer­be mehr als 220.000 neue sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeits­plät­ze ent­stan­den. Das ist ein Plus von rund 30 Pro­zent. Zum Ver­gleich: In der Gesamt­wirt­schaft waren es im sel­ben Zeit­raum nur rund 13 Pro­zent.

Als „Bran­che der Chan­ce“ steht das Gast­ge­wer­be allen jun­gen Men­schen auch abseits der gro­ßen Bal­lungs­zen­tren für eine Aus­bil­dung offen. Ange­spro­chen sind expli­zit jun­ge Men­schen auch ohne Abitur und Stu­di­um und Men­schen, die sich in ande­ren Bran­chen schwe­rer tun. In Zei­ten des Fach­kräf­te­man­gels ist das eine zen­tra­le Bot­schaft. Gas­tro­no­mie und Hotel­le­rie sind oft­mals noch die ein­zi­gen Arbeit­ge­ber und Aus­bil­der in der Flä­che.

Arbeits­zeit­do­ku­men­ta­ti­on ist „Stim­mungs­kil­ler Num­mer Eins“

Trotz Per­so­nal­kos­ten­stei­ge­run­gen ste­hen expli­zit nicht die 8,50 Euro im Fokus der Kri­tik. Die Arbeits­zeit­do­ku­men­ta­ti­on im Zuge der Min­dest­lohn­ge­setz­ge­bung bezeich­net fast jeder zwei­te Betrieb als größ­te Her­aus­for­de­rung. „Unse­re Unter­neh­men haben die Arbeits­zeit bis zu einer Ver­dienst­gren­ze von 2.958 Euro auf­zu­zeich­nen. Wer die­se Sum­me ver­die­nen will, muss 348 Stun­den zum Min­dest­lohn arbei­ten“, erklärt der DEHO­GA-Prä­si­dent. „Das hat nichts mit der Rea­li­tät zu tun. Hier stellt der Gesetz-geber eine Gesamt­bran­che unter Gene­ral­ver­dacht.“

Arbeits­zeit­ge­setz an Lebens­wirk­lich­keit anpas­sen

Im Zusam­men­hang mit der Arbeits­zeit­do­ku­men­ta­ti­on erweist sich die Höchst­ar­beits­zeit von zehn Stun­den als zuneh­men­des Pro­blem für die Bran­che. DEHO­GA-Prä­si­dent Fischer: „Stel­len Sie sich vor, eine Ver­an­stal­tung, etwa eine Hoch­zeits­fei­er, dau­ert län­ger als geplant. Unse­re Betrie­be kön­nen nicht mit­ten in der Nacht die Mit­ar­bei­ter wech­seln. Der Gas­tro­nom steht vor der Wahl: Die Hoch­zeits­fei­er vor­zei­tig been­den oder ein saf­ti­ges Buß­geld bis zu 15.000 Euro zah­len.“

Der DEHOGA for­dert eine Anpas­sung des Arbeits­zeit­ge­set­zes an die Lebens­wirk­lich­keit. Der kon­kre­te Vor­schlag lau­tet: An maxi­mal drei Tagen pro Woche eine Arbeits­zeit von bis zu zwölf Stun­den zu ermög­li­chen. Wohl­ge­merkt: Es geht um kei­ne Ver­län­ge­rung der Gesamt­ar­beits­zeit.

Büro­kra­tiefrust statt Unter­neh­mer­lust // All­er­gen­kenn­zeich­nung

Hand­lungs­be­darf sieht der DEHOGA vor allem beim The­ma Regle­men­tie­rung der Bran­che: „Büro­kra­tis­mus, Über­re­gu­lie­rung und Gene­ral­ver­dacht gegen die Betrie­be des Gast­ge­wer­bes sind nicht der Stoff, aus dem neue Wachs­tums­re­kor­de ent­ste­hen. Im Gegen­teil, Inno­va­tio­nen und Inves­ti­tio­nen wer­den gehemmt. Zeit für das gas­tro­no­mi­sche Kern­ge­schäft fehlt. Raum für gute Gast­freund­schaft schwin­det“, macht Fischer deut­lich. Das Über­maß an Ver­recht­li­chung schrän­ke nicht nur die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit in emp­find­li­cher Wei­se ein, son­dern bedro­he Gas­tro­no­men und Hote­liers auch in ihrer wirt­schaft­li­chen Exis­tenz.

Für beson­ders gro­ßen Büro­kra­tiefrust sorgt neben der Arbeits­zeit­do­ku­men­ta­ti­on die neue All­er­gen­kenn­zeich­nungs­pflicht. Seit Dezem­ber 2014 müs­sen Gas­tro­no­men und Hote­liers ihre Gäs­te auf­grund einer euro­päi­schen Ver­ord­nung über All­er­ge­ne in ihren Spei­sen und Geträn­ken infor­mie­ren. Ers­ten Erfah­run­gen zufol­ge ste­hen Auf­wand und Ertrag in kras­sem Miss­ver­hält­nis: Wäh­rend die Unter­neh­mer wöchent­lich zum Teil meh­re­re Stun­den durch die All­er­gen­kenn­zeich­nung gebun­den sind, geben nach inter­nen DEHO­GA-Befra­gun­gen zwei Drit­tel der Unter­neh­mer an, dass seit Dezem­ber 2014 kein ein­zi­ger Gast die Aller­gen­in­for­ma­ti­on in Anspruch genom­men habe.

Wert­schät­zung // Sie­ben Pro­zent Mehr­wert­steu­er für Gas­tro­no­mie

Die Betrie­be des Gast­ge­wer­bes sind die öffent­li­chen Wohn­zim­mer des Lan­des, sie sind stand­ort­treu, Kul­tur­gut, Job­mo­tor und Wirt­schafts­kraft in einem. „Und den­noch lässt die Wert­schät­zung – gera­de durch die Poli­tik – an der ein oder ande­ren Stel­le zu wün­schen übrig“, so Fischer.

So steht eine der Kern­for­de­run­gen des Ver­ban­des auf der poli­ti­schen Agen­da wei­ter­hin ganz oben: Die steu­er­li­che Gleich­be­hand­lung der Gas­tro­no­mie. „Zur Wert­schät­zung passt es eben nicht“, so Fischer, „dass frisch zube­rei­te­te Spei­sen in unse­ren Restau­rants oder die täg­li­chen Schul­mahl­zei­ten mit 19 Pro­zent besteu­ert wer­den, die Tüten­sup­pe aus dem Dis­coun­ter oder die Fer­tig­piz­za dage­gen nur mit sie­ben Pro­zent.“

Der DEHO­GA-Bran­chen­be­richt „Früh­jahr 2015“ steht unter www.dehoga.de kos­ten­frei zum Down­load zur Ver­fü­gung.

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DEHO­GA-Bran­chen­be­richt: Mit dem Bran­chen­be­richt „Früh­jahr 2015“ stellt der Deut­sche Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band (DEHOGA Bun­des­ver­band) bereits zum 32. Mal sei­ne reprä­sen­ta­ti­ve Kon­junk­tur­be­ob­ach­tung des gast­ge­werb­li­chen Mark­tes vor. Grund­la­ge für den Bran­chen­be­richt sind Ant­wor­ten von ins­ge­samt 4.000 Hote­liers und Gas­tro­no­men in ganz Deutsch­land. Die Befra­gung wur­de vom Insti­tut für Manage­ment und Tou­ris­mus der Fach­hoch­schu­le West­küs­te in Hei­de durch­ge­führt. Die Beur­tei­lung der Kon­junk­tur­ent­wick­lung bezieht sich auf die Geschäfts­la­ge im Zeit­raum Okto­ber 2014 bis März 2015 sowie die Geschäfts­er­war­tun­gen für die Mona­te April bis Sep­tem­ber 2015. Dar­über hin­aus wur­den die Ent­wick­lung der wich­tigs­ten betriebs­wirt­schaft­li­chen Kenn­zah­len und die Haupt­pro­blem­fel­der in der Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie im Berichts­zeit­raum ermit­telt. Die Daten wur­den im Zeit­raum vom 8. April bis 12. Mai 2015 erho­ben.

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